Die Nitratwerte im bayerischen Grundwasser stagnieren. Das zeigt ein Bericht, den das Umweltministerium gestern vorstellte. Die Landtagsopposition fordert ein stärkeres Gegensteuern. Bei den Pflanzenschutzmitteln bereitet vor allem eine Altlast Probleme.

Nitratbericht

von Dominik Göttler

München – Welche Bedeutung der gestern vorgestellte Nitratbericht für die Landwirtschaft hat, wurde schon am Vorabend klar. Der Bayerische Bauernverband preschte mit einer Pressemitteilung voraus und vermeldete eine positive Tendenz bei der Wasserqualität in Bayern. Zum Ärger mancher Abgeordneter, die erst gestern im Umweltausschuss des Landtags den Bericht erhielten und sich über ein mögliches „Leck“ im Umweltministerium beschwerten.

Seit Jahren streiten Verbände und Politiker darüber, ob das Grundwasser sauber genug ist. Je nach Interpretation der Messwerte lässt sich für strengere Regeln bei der Düngung argumentieren – oder lediglich für eine Beschränkung auf freiwillige Leistungen der Landwirte. Auch der neue Bericht lässt sich unterschiedlich lesen. Die aktuellen Zahlen stammen aus dem Jahr 2015.

Zum einen sind da die Werte zur Nitratbelastung im noch nicht aufbereiteten Rohwasser (siehe Grafik) – gemessen von den Wasserversorgungsunternehmen direkt an den Brunnen und Quellen. Bayernweit wiesen 3,5 Prozent des Rohwassers Nitratwerte von mehr als 50 Milligramm pro Liter auf und überschritten damit den gesetzlichen Schwellenwert. Weitere 2,9 Prozent lagen über der Schwelle von 37,5 Milligramm pro Liter und gelten somit als stark belastet. Allerdings gibt es riesige regionale Unterschiede. Während etwa in Oberbayern und Schwaben kaum hohe Belastungen festgestellt wurden, liegen in Unterfranken 20,4 Prozent des Rohwassers im kritischen Bereich. Begründet wird das mit dem geringeren Niederschlag und den durchlässigeren Böden in Nordbayern.

Doch Andreas Hofmann vom Umweltministerium sagte auch, dass diese Zahlen nicht repräsentativ für das gesamte bayerische Grundwasser seien. Denn die Brunnen befinden sich in der Regel in weniger belasteten Gebieten, zum Teil werden Brunnen auch geschlossen, wenn das Wasser dort sehr nitratbelastet ist. Deshalb gibt es noch andere Zahlen – und zwar vom sogenannten „WRRL-Überblicksnetz“ mit bayernweit 480 Messstellen. Hier ist der Anteil an Nitratfunden deutlich höher. Bei 8,6 Prozent der Messstellen wurde die höchste Belastungsmarke überschritten, stark belastet waren weitere 14,2 Prozent. Einen Trend gebe es nicht, sagte Hofmann. Weder positiv noch negativ. Die Nitratwerte lägen in den vergangenen Jahren auf einem konstanten Niveau. Man müsse nun abwarten, wie sich die jüngsten Maßnahmen wie die überarbeitete Düngeverordnung und der im März geschlossene Wasserpakt auf die Messergebnisse auswirken. Die Prognose des Umweltbundesamtes, dass der Wasserpreis bald deutlich ansteigen könnte, wenn nicht weniger Dünger auf den Feldern ausgebracht wird, würden die bayerischen Zahlen aber nicht bestätigen.

Für die Opposition ist trotzdem klar, dass es weiter Handlungsbedarf gibt. „Es kann keine Entwarnung gegeben werden“, deutete Harry Scheuenstuhl von der SPD den Bericht. „Abwarten reicht nicht“, kritisierte Rosi Steinberger (Grüne). Und auch Otto Hünerkopf von der CSU sagt: „Wir können nicht zufrieden sein.“ Stagnation sei nicht das Ziel.

Auch über die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser informiert der Bericht. Hier ist vor allem eine Altlast das Problem: Das bereits 1991 verbotene Atrazin und seine Abbauprodukte werden noch immer im Grundwasser nachgewiesen. Besonders viele Pflanzenschutz-Rückstände wurden in der Oberpfalz und in Niederbayern gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Münchner Merkur 14.07.2017

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